Irreführende Angaben in der Energiedialog-Broschüre in Schriesheim und Dossenheim

Die von den Gemeinden Schriesheim und Dossenheim an die Haushalte verteilte Broschüre des „Dialogforums Energiedialog“ enthält mehrere verharmlosende Aussagen über Auswirkungen von Windenergieanlagen (WEA) im Wald, die richtig zu stellen sind. Einige Beispiele:

  1. Der dauerhafte Flächenbedarf einer WEA durch Waldrodung wird mit nur „bis zu 0,6 Hektar“ angegeben, der temporäre Flächenbedarf mit 0,4 Hektar (S. 6). Diese Zahl stammt aus einer Statistik bisheriger WEA. Diese waren jedoch deutlich kleiner als die auf dem Weißen Stein geplanten Anlagen (7 Megawatt). Für Anlagen heutiger Größe muss eine wesentlich größere Waldfläche dauerhaft gerodet werden. Bei den aktuell bei Spechbach geplanten 6 Megawatt-WEA z.B. liegt nach den Genehmigungsunterlagen der dauerhafte Flächenbedarf bei 2,3, der temporäre bei 1,8 Hektar pro WEA. Das ist 3,8 bzw. 4,5-mal so viel, wie in der Broschüre behauptet.
  2. Die Waldrodung ist jedoch nur ein kleiner Teil des Eingriffs in die Waldökosysteme. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass die Lebensraumverluste empfindlicher Arten durch Meidung der WEA-Standorte rund 20 bis 50-mal so groß sind wie die Fläche des gerodeten Waldes.
  3. Nach einer Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2023 genießen WEA im Genehmigungsverfahren Vorrang und gehen als „vorrangiger Belang in die jeweils durchzuführenden Schutzgüterabwägungen“ ein. Dies gilt sowohl für Naturschutz- als auch z.B. für Flugplatzbelange. In der Grafik auf Seite 2 der Broschüre sind nur 4 WEA dargestellt. Würden diese aber erst einmal gebaut und die dafür nötigen Stromleitungen, Zuwegungen, Gutachten und Planungsunterlagen erstellt, wäre es sehr wahrscheinlich, dass deren Zahl deutlich vergrößert wird. In Baden-Württemberg sind das Hauptproblem die hohen Investitionsnebenkosten für WEA, da die meisten Anlagen im Wald geplant werden. Deshalb erhalten bei den bundesweiten Ausschreibungen der Bundesnetzagentur nur wenige WEA aus BaWü einen Zuschlag. Wäre an einem Standort erst einmal die Infrastruktur im Wald geschaffen, ist es wahrscheinlich, dass bald weitere WEA folgen würden.

Quelle: UPI Umwelt- und Prognose- Institut e.V.