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„Der Wald ist ja eh kaputt“ oder „Der Wald geht eh kaputt, wenn wir keine Windräder bauen“

Hinterfragt
Schriesheimer Wald. Unser Wald ist nicht kaputt und wird auch nicht kaputt gehen, wenn man ihn in Ruhe lässt. | Foto: Roswitha Kraft

Es wird häufig behauptet, dass unsere Wälder ohnehin kaputt sind bzw. in naher Zukunft in Folge steigender Temperaturen kaputt gehen werden. Deshalb, so die Argumentation, könne man den Wald auch zerstören und stattdessen Windräder aufstellen. Damit würde man den Klimawandel aufhalten und hätte sogleich die Gelegenheit, neue, besser angepasste Bäume zu pflanzen. Der Technikglaube kennt leider keine Grenzen, die Demut vor der Komplexität der Natur und ihrer Anpassungsfähigkeit fehlt heute vielen Menschen.

Es ist nicht wahr, dass unsere Wälder alle kaputt sind bzw. kaputt gehen werden, wenn wir keine Windräder bauen. Aufgrund der steigenden Temperaturen gibt es zwar insbesondere viele Probleme mit vom Borkenkäfer befallenen Fichten, die aber zuallererst eine Folge ungünstiger Forstwirtschaft sind. Fichten sind keine heimischen Bäume, sie sind im Gebirge und nördlicheren, kühleren Regionen zu Hause. Der Mensch hat sie hier hergebracht, sie sind ein Fremdkörper im heimischen Waldökosystem und dementsprechend anfällig. Probleme mit Fichten gab es bei uns immer wieder seit Mitte des 19. Jahrhunderts, auf die man längst hätte reagieren können. Weitere interessante Details dazu finden Sie unter dem Tab Ökosystem Wald. U.a. auch, dass der Wald sich am besten selbst regeneriert, wenn man ihn läßt und dass das Einbringen von weiteren fremden Baumarten in unsere Wälder über kurz oder lang das „Fichtenproblem“ wiederholen wird.

Die Natur kann es eben besser als der Mensch!

Zum Glück bestehen unsere Wälder nicht aus Fichtenmonokulturen, wie es sie zum Beispiel im Harz gibt. Im Odenwald haben wir vorwiegend Mischwälder, die verhältnismäßig wenige Schäden durch Hitze und Trockenheit aufweisen.

Unsere heimischen Wälder bestehen ursprünglich vorwiegend aus Buchen und Eichen. Auch Buchen leiden heute mitunter unter der zunehmenden Hitze, hier und da auch bei uns. Aber auch in diesem Fall ist eher die Forstwirtschaft das Problem: Noch immer wird von den Forstanstalten die geradezu zerstörerische Vorgabe gemacht, Wälder permanent aufzulichten. Als Grund wird genannt, dass somit mehr Wasser am Boden ankommt, aber auch, dass Bäume besser wachsen, wenn man sie „freistellt“. Das Problem ist nur – und das versteht jedes Kind – die Auflichtung führt zu mehr Hitze und damit zu mehr Trockenheit. Buchen vertragen keine direkte Sonne, sie sind Schattenbäume. Läßt man Wälder dagegen alt und dicht werden, bleibt es kühl und feucht. Ein gesunder Mischwald kann sich also gut gegen hohe Temperaturen schützen, wenn man ihn läßt.

Ebenfalls wichtig für Wälder ist ein gesunder, lockerer Waldboden und das Verbleiben von Totholz im Wald. Beides sind enorme Wasserspeicher, die sich im Winter auffüllen und im Sommer die Pflanzen des Waldes mit Wasser versorgen. Werden Waldböden durch schwere Fahrzeuge verdichtet, kann der Boden u.a. kein Wasser mehr aufnehmen. Leider werden die Forstfahrzeuge immer größer und schwerer, alle paar Meter gibt es Rückegassen. Die Hochwassergefahr steigt bei starken Regenfällen, das Wasser fließt direkt davon und im Sommer dursten die Wälder. Zusätzliche verdichtete und versiegelte Flächen und Schneisen für Windindustrie werden für manchen Wald der Todesstoß sein.

Fazit: Der Odenwald besteht zum großen Teil aus gesundem, dichten Mischwald, dem es – verglichen mit Fichtenmonokulturen wie zum Beispiel im Harz – verhältnismäßig gut geht. Bei uns ist eine naturnahe Forstwirtschaft gefragt, um die Wälder vor steigenden Temperaturen zu schützen. Aber mit Sicherheit keine zusätzliche Zerstörung der Wälder für Windindustrie im Namen der Waldrettung.

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„Der Wald ist ja eh kaputt“ oder „Der Wald geht eh kaputt, wenn wir keine Windräder bauen“

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